JOURNALISTIN PUBLIZISTIN

JOURNALISMUS UND COACHING

Es könnte sich die Frage stellen, wieso auf Coachingseiten journalistische Arbeiten als Referenz angegeben werden. Was haben journalistischen und publizistischen Arbeiten mit Coaching zu tun? –  Ich würde nicht so weit gehen, dass das Persönliche stets politisch ist. Aber  auch die scheinbar persönlichsten Themen, finden in gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten statt.

Gesellschaftliche und politische Strukturen und Wirkweisen habe ich in der journalistischen Arbeit recherchiert, diskutiert und reflektiert. Das Wissen darum und das Verständnis für psychologische Prozesse in soziologischen, kulturellen und ökonomischen Kontexten fließen in den Coaching-Prozess ein.

Konflikte - Internationale und persönliche

Konfliktentwicklungen internationaler Dimension wie z.B. der Krieg der USA gegen den Terrorismus  in Afghanistan („Enduring Freedom“) und der militärisch untermauerten politischen Interventionen der NATO im Rahmen der ISAF zeigen grundsätzliche Konfliktmuster auf. Die distanzierten journalistischen Beobachtung und Analysen von Konfliktentwicklungen verdichten sich zu – abstrakten – Modellen der Konfliktdynamiken und ergänzen psychologische Aspekte.

Für das Coaching relevant ist, dass diese Konfliktdynamiken sich nicht grundsätzlich von Konflikten auf persönlicher Ebene unterscheiden. Das Coaching gibt Raum für das Erleben und die Gefühle der beteiligten Akteure aus der Innenperspektive. Der Fokus aber liegt auf dem Erkennen der Konfliktlinien, der Konfliktlogik und der –dynamiken. Denn: Das Wissen und das Bewusstsein über Konfliktverhalten verändert unsere handlungsleitenden Prämissen. Unsere Haltungen gegenüber unseren eigenen Handlungsspielräumen und denen der anderen Konfliktpartei(en) haben einen unmittelbaren Effekt auf die Entwicklung von Konflikten. Ändern wir unsere Modelle, verändern wir auch unsere Interpretationen des Geschehens. Neue Interpretationen, neue Spielräume. Es eröffnet die Möglichkeit, unser Verhalten zu modifizieren und neue Kommunikations- und Interaktionsmuster zu etablieren, um so unsere persönlichen Beziehungen konfliktfreier und friedvoller leben zu können..

Internationale Strafgerichtsbarkeit und die Frage nach persönlicher Schuld und Verantwortung

Der Prozess von Slobodan Milosevic vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag warf Fragen nach persönlicher – strafrechtlich relevanter – Schuld und Verantwortung sowie nach Strafe und Sühne auf. Im Milosevic-Prozess ging es wesentlich auch darum, ob Milosevic persönlich für die Straftaten haftet, die seine Militärs begangen haben. Weil er es befohlen hat, davon wusste oder davon als Oberbefehlshaber hätte wissen müssen.

Auch in unseren persönlichen Beziehungen spielt die Frage nach Schuld und/oder Verantwortung, deren Definition und deren Verhältnis zueinander eine große Rolle, sei es im ethischen, im religiösen oder manchmal auch im strafrechtlichen Sinne.

Do no harm

Die  Entwicklungspolitik bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für das Konglomerat von Intention, Handeln, Ergebnissen und Konsequenzen daraus. Nicht umsonst gibt es das Diktum „Do no Harm“ als ambitionierter Imperativ in der Entwicklungszusammenarbeit. Wenn auch nicht von allen beachtet. Im Zentrum steht die Reflexion des Einflusses des eigenen Handelns und der Auswirkungen davon auf das Ziel, auf die beteiligten Akteure und das jeweilige Umfeld.  Eine wesentliche Frage dabei ist, ob die handlungsleitenden Intentionen konflikteskalierend oder deeskalierend wirken.

Der Einfluss von ideologischen und operativen Denkstrukturen, von gutgemeinten oder auch nur so propagierten Zielen und desaströsen Ergebnissen machen immer wieder deutlich, wie sinnvoll es ist, Input und Output in ihrem Verhältnis zueinander zu analysieren und  Dinge auch einmal von ihrem Ende her zu denken. Oder: wenigstens bis zum Ende zu denken – unter Einbeziehung der Reaktionen der weiteren Akteure und des oft fragilen Umfeldes. Das gilt ebenso für persönliche Ziele und Beziehungen, die gleichermaßen konfliktsensibel reagieren.

Das gilt nicht anders auch für mich als Coach, wo nicht die gute Absicht, sondern das gute Ergebnis zählt.

Suggestion und Definitions- und Deutungshoheit

Die Beschäftigung mit der Europäischen Sicherheitspolitik im Rahmen der Studie „Out of Area – Out of Sight“ hat u.a. meine Sinne geschärft für die Trennschärfe und die genaue Definition von Begriffen im Zusammenhang mit dem Anspruch auf Definitions- und Deutungshoheit. Der Umgang mit – suggestiver – Sprache oder Sprache und deren implizite Botschaften sowie die enorme Lähmung die von sprachlichen – natürlich auch inhaltlichen – Double-Binds ausgeht. Und wie sich das dann alles zusammenreimt zu einer babylonischen Sprachverwirrung, schlimmer noch Denkverwirrung und den daraus resultierenden widersprüchlichen Aktionen.

Der Journalismus hat mich gelehrt, immer genauer auf Sprache, Logik, Strukturen und Muster zu achten und Sachverhalte auf den Punkt zu bringen ohne Simplifizierung, sondern der Komplexität der Dinge Rechnung tragend. – „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“ – Antoine de Saint-Exupéry.