THEMA AUTISMUS

THEMA

AUTISMUS

THE UNKNOWN

AUTISMUSSPEKTUMSSTÖRUNG

SO SPERRIG DAS WORT, SO ….

Vorbemerkung:


Das Wissen über die unterschiedlichen Formen des Autismus ist breit. Menschen, die Informationen zu dem Thema suchen, stoßen auf eine Fülle von Internetseiten, internationalen Spielfilmen, Dokumentationen, Zeitungsartikeln, interessanten Büchern über und von Autisten. Es gibt wissenschaftliche Literatur ebenso wie Erfahrungsberichte von Autisten und ihren Angehörigen.

Wo also liegt das Problem?

Es ist ein Kommunikationsproblem


Kommunikation schließt immer beide Seiten ein. Wenn Kommunikation nicht gelingt, so liegt es an Sender und Empfänger der Botschaft. Schulz von Thun hat das einfach und schlüssig in seinem Kommunikationsquadrat dargestellt CLICC. Wir haben uns angewöhnt, Autismus als Problem zu sehen. Und das Problem hat selbstverständlich der Autist. Der ist dann folgerichtig auch derjenige, der sich in unseren Augen ändern muss. Die anderen (Angehörige, Lehrer etc.) haben scheinbar nur das Problem der Konsequenzen, die sich aus der Andersartigkeit ergeben.

Doch das ist zu kurz gegriffen. Autisten haben i.d.R. kein Problem damit autistisch zu sein. Das Problem liegt in der mangelhaften Anerkennung und Erkennung ihres So-Seins und ihrer besonderen Talente und Fähigkeiten, verbunden mit dem Anspruch, dass sie sich irgendwie in die Gesellschaft eingliedern müssen. Das „irgendwie“ bleibt dann meistens irgendwie nebulös.

Hier möchte ich aus einem ungewöhnlich klugen Artikel über Greta Thunberg zitieren, der mit dem Perspektivwechsel zwischen „normal“ und „autistisch“ gedanklich hervorragend spielt – und damit gleichzeitig illustriert, wie segensreich die autistische Anerkennung des Faktischen in Zeiten „gefühlter“ Tatsachen sein kann. Wir könn(t)en von ihnen lernen. Da wir es wahrscheinlich nicht tun werden, endet der Artikel mit einem bitterem Fazit, das noch mal „normal“ und autistisch“ durcheinander würfelt:

Asperger ist eine Form von Autismus. Den Betroffenen fällt es schwer, menschliches Sozialverhalten zu verstehen oder daran teilzunehmen. Vielmehr leben sie in einer Welt der Dinge und der Zahlen – also dort, wo sich der Klimawandel als die existenzielle Gefahr darstellt, die er ist. Menschen mit Asperger haben zwar meist gute intellektuelle und sprachliche Fähigkeiten, neigen aber dazu, alles wörtlich zu nehmen. Sie gehen nicht vom sozialen Kontext einer Mitteilung aus und müssen ihn notfalls mühsam enträtseln.

In ihrer Weltsicht steht das Faktische im Vordergrund. Deshalb tun sie sich schwer, die menschlichen Dramen zu begreifen, die ständig um sie herum aufgeführt werden. Umgekehrt braucht Greta Thunberg aber auch keine Erzählung, um sich den Klimawandel als lebendige Bedrohung vorstellen zu können. Anders gesagt: Sie steht allein da, außerhalb des sozialen Graubereichs, in dem sich das faktisch Notwendige im Angenehmen und Akzeptablen äußert.

Wer außerhalb der normalen Ordnung steht, um ihr den Spiegel vorzuhalten, der steht dort ziemlich isoliert. Der „common sense“ kann jederzeit befinden, das sei ja alles ganz rührend, aber jetzt sei auch mal Schluss mit den autistischen Verrücktheiten.

In dem Tweet, in dem der dänische Politikwissenschaftler Björn Lomborg Thunberg attackierte, stellte er ihr Foto neben das des Wirtschaftsnobelpreisträgers William D. Nordhaus, der sich auf die Erforschung marktbasierter Instrumente der Klimapolitik spezialisiert hat. „I want you to panic“, steht über dem von Thunberg, „Be smart“ über dem des 77-jährigen US-Wissenschaftlers.

Dass sie nicht „smart“ und ruhig bleiben kann, macht Greta Thunberg zu einer idealen Erzählerin der Klimakrise – und damit zu einer tragischen Figur. Aber vielleicht muss es genau so sein. Das Publikum liebt schließlich tragische Figuren.

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Der oben zitierte Ausschnitt ist aus einem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 08.02.2019


Zeit, in Panik zu geraten

Beim Klimawandel liegen Handlung und Folge zu weit auseinander, um eine

schlüssige Erzählung zu ergeben – für normale Gehirne

Über die Macht der Greta Thunberg


TEMPLE GRANDIN


Animals in Translation

Using the Mysteries of Autism to Decode Animal Behavior

Animals in Translation: Using the Mysteries of Autism to Decode Animal Behavior (Scribner Classics) (English Edition) von [Grandin, Temple, Johnson, Catherine]

TEMPLE GRANDIN


Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier

Eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere

Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier. Eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere von [Grandin, Temple, Catherine Johnson]

Ein und dasselbe Buch, zwei Titel

Was sagen die jeweiligen Titel über das jeweilige Verständnis der Verlage über Autisten aus?


Temple Grendin studierte experimentelle Psychologie und promovierte in Tierwissenschaften. Seit 1990 lehrt sie dieses Fach an der Colorado State University in Fort Collins.  Sie gilt gleichermaßen als Expertin auf dem Gebiet der Verhaltensbiologie der Nutztiere  wie auf dem Gebiet des Autismus. Zudem ist Grandin die führende US-amerikanische Spezialistin für den Entwurf von Anlagen für die kommerzielle Viehhaltung.
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Der deutsche, ein respektloser Titel. Eine promovierte Verhaltensbiologin zeigt in differenzierten Beschreibungen und Analysen Parallelen zwischen Tieren und Autisten auf und versucht so autistisches Verhalten verstehbar zu machen.  In der deutschen Wahl des Buchtitels gerät die Forscherin selbst auf die Ebene eines Tieres. Aus dem Forschungsobjekt „Tiere“, wird  scheinbar sie persönlich „Gegenstand“ der Forschung.

AUTISMUS IM COACHINGPROZESS

Im Coaching berate und unterstütze ich jeweils abgestimmt auf den Bedarf


  • autistische Menschen
  • Angehörige oder Freunde
  • Lehrer oder Arbeitgeber

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Ich kümmere mich um praktische Belange, wie:


  • Beantragung eines schulischen oder universitären Nachteilsausgleichs
  • Beantragung eines Schwerbehindertenausweises etc.
  • Begleitung zu Ämtern Schulen, Universitäten, Ärzten, Logopäden oder Arbeitsplatz zur punktuellen Unterstützung oder zur Gestaltung von Übergängen

INTERESSANTE BÜCHER ZU DEM THEMA AUSTISMUS

Valerie Paradiz ist Literaturwissenschaftlerin. Besonders interessant an diesem Buch ist die Verschränkung von zeitlichen Strömungen mit autistischen Phänomenen.

Darüber hinaus ist ihr ein Buch gelungen, dass der britische Neurologe Oliver Sacks so beschreibt:

Valerie Paradiz hat eine bewegende und sprachlich brillante Chronik der Krankheit ihres Sohnes Elja mit dem Asperger Syndrom geschrieben. Ihr Buch ist eine wichtige Ergänzung zu bestehenden Autismus-Lieteratur, voll von wunderbar erfassten Momenten.

Nach wie vor gibt dieses Buch von Prof. Remscheid einen hervorragenden Überblick. Wenn die erste Auflage auch schon im Jahr 2000 heraus gekommen ist , also bevor der Begriff „Autismusspektrumstörung“ Einzug in die Literatur und Diagnostik gefunden hat. Doch möglicher Weise ist das in neueren Auflagen geändert worden. So oder so, auch ältere Ausgaben sind ein Gewinn, wenn man sich einen umfassenden und doch prägnanten Überblick zu den spezifischen Autismus-Diagnosen wünscht.

Dieses Buch erzählt die Geschichte eines mystischen Abenteuers eines englischen Journalisten mit seinem autistischen Sohn. Auf dem Rücken eines Pferdes folgen sie dem Ruf der Schamanen in die unendlichen Weiten der Mongolei. Rupert Isaacson resümiert am Ende des Buches:

Ist Genesung ein zu starkes Wort? Vielleicht ist Heilung besser.

Rowan ist immer noch autistisch – sein Wesen, seine vielen Talente, sie haben alle damit zu tun. Er ist von den furchtbaren Dysfunktionen geheilt, die ihm zusetzten – seiner physischen und emotionalen Inkontinenz, den neurologischen Feuerstürmen, seiner Angst und seiner Hyperaktivität. Aber er ist nicht „kuriert“, und das würde ich auch gar nicht wollen. Ihn „kurieren“ zu wollen, indem man versucht, seinen Autismus irgendwie aufzureißen, scheint mir heute völlig falsch. Warum soll er nicht zwischen den Welten wandern, mit einem Fuß in jeder, wie es auch viele neurotypischen Menschen tun? 

Nicht die Autisten haben zu wenig Empathie, sondern wir

Dem kann ich aus Erfahrung nur zustimmen. – Der deutsche Journalist Lorenz Wagner schreibt in seinem Buch über den Hirnforscher Henry Markram. Markram hat einen autistischen Sohn und erforscht an der École polytechnique fédérale de Lausanne zusammen mit seiner Frau im Rahmen des Human Brain Project auch den Autismus. In das vorliegende Buch fließen seine familiären Erlebnisse mit einem autistischen Kind und seine wissenschaftlichen Forschungen ein.

KONZEPTION FÜR EIN WOHNPROJEKT FÜR UND MIT ASPERGER AUTISTEN

EIN NICHT REALISIERTES PROJEKT

AutFit

2005 hatte ich die Konzeption des Projektes „AutFit“ dem LVR (Landschaftsverband Rheinland als überörtlicher Sozialhilfeträger) vorgelegt, unterstützt durch die HEPHATA Stiftung. Mit diesem Modellprojekt für ein integriertes Wohnen und Arbeiten für Asperger Autisten sollte der Vielfältigkeit der unterschiedlichen Charaktere, Talente und Kompetenzen Rechnung werden. Kernidee des Projektes war die Gründung einer überschaubaren Farm mit einem kleinen Tierheim für Hunde.

Es gibt kaum Wohnprojekte für Asperger Autisten. 2004, dem Jahr in dem die Ideen Gestalt annahmen, gab es meines Wissens gar keine. Einige wenige gab es für Kanner-Autisten. – Auf der Farm sollten die Menschen ein Zuhause finden. Der Tierheimbetrieb hätte viele unterschiedliche Jobs ermöglicht – von Verwaltungs- und Sekretariatsarbeiten über Hundetraining und handwerklichen Arbeiten bis hin zum Ausmisten der Freiläufe.

Die administrativen Arbeiten für die Projektleitung wären umfangreich gewesen, da durch die Heterogenität und Flexibilität der Jobs unterschiedliche und jeweils spezifische Finanzierungsmodelle in Frage gekommen wären.

Als dieses Projekt durch die Mühlen der Gesprächskreise beim LVR durch war, war es nicht mehr wiederzuerkennen. Es war nicht mehr auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten, sondern alle Autisten sollten wieder das Selbe machen, ungeachtet ihrer Fähigkeiten, Bedürfnisse und Neigungen.

Als Anregung mag die Projektkonzeption aber vielleicht noch dienlich sein. Bei Interesse cliccen Sie hier Konzeption AutFit.