THEMA MOBBING

THEMA

MOBBING

MOBBING

WAS TUN?

Gemobbt werden ist traumatisierend

Gegenwehr ohne Kenntnis des Systems – chancenlos

Charakteristikum der Menschen, die mobben:

EMANZIPATION VON LOGIK

ALLES IRGENDWIE VERDREHT

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DENKSTRUKTUREN

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EINE FRAGE DER OPFER ODER DER TÄTER?

Das prädestinierte Mobbingopfer? Ein sinnvoller Ansatz?

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Eine interdisziplinäre kriminologische/psychiatrische Pilotstudie der Universität Tübingen, Institut für Kriminologie, untersuchte die Faktoren, die eine Auswahl von Menschen zu Mobbingopfer, bzw. -täter „prädestiniert“. Im Fokus dabei standen individuelle Sozialisation, Persönlichkeit, psychische Befindlichkeit sowie Einstellungen und Haltungen. Ergänzt wurde die Fragestellung nach den spezifischen Eigenschaften des Individuums (des Mobbingopfers) um die Faktoren äußerer Umstände und Rahmenbedingungen wie Stress, Leistungsdruck, Existenzbedrohungen etc.

Wesentlich weniger Beachtung findet die Frage nach dem gesellschaftlichen Kontext in Bezug auf die Denkstrukturen, die Mobbing begünstigen oder sogar hervorrufen. Das ist weder Thema in dieser Studie noch in der allgemeinen Mobbingdiskussion. Dieter Nuhr sprach in seinen kabarettistischen Reflexionen zur Bildung in Deutschland davon, dass schließlich auch früher auf dem Schulhof gehänselt wurde. Nu(h)r das trifft das Problem nicht. Der Unterschied ist, dass Mobbing – im Gegensatz zu Hänseln oder auch partieller Aggression und Gewaltausübung – systematisch erfolgt. Auch das hat es sicherlich schon früher vereinzelt gegeben. Die Prägung eines Begriffes dafür weist jedoch darauf hin, dass es in modernen Zeiten zu einem wesentlichen Merkmal der Auseinandersetzung innerhalb von Gruppen geworden ist. –  Ist das System erst etabliert, gibt es für das „Opfer“ kaum einen Ausweg. Und in eben dieser Ausweglosigkeit liegt die Brisanz des Mobbingphänomens.

Aus eigener Anschauung kann ich folgende Beobachtungen dazu beisteuern. In einem Mitarbeiterteam von ca. 30 Personen wurde eine Mitarbeiterin gemobbt, die ihre Arbeit besonders engagiert und erfolgreich machte. So begeistert die Kunden waren, so abgeturnt waren die Mitarbeiter. Ein zur Hilfe gerufener Psychologieprofessor, der die Entwicklungen in Supervisionssitzungen klar als Mobbing diagnostizierte, musste das Spielfeld so eilig verlassen, wie er es betreten hatte. Die mobbenden Mitarbeiter gingen gestärkt daraus hervor. Das Signal an die Chefs war klar: Legt Euch nicht mit uns an!

Vier Mitglieder des Teams hatten sich solidarisch mit dem Mobbingopfer gezeigt. Fazit: auch drei von ihnen und das Mobbingopfer selbst mussten ihren Hut nehmen.

Besonders interessant dabei war die Rolle einer Mitarbeiterin, die sich zunächst für die gemobbte Kollegin eingesetzt hatte. Diese Mitarbeiterin wurde innerhalb kürzester Zeit dermaßen mitgemobbt, dass ihr Hören und Sehen verging. Schnell kehrte sie reumütig in das Team zurück, um dann – und das ist das Erstaunliche – zu einer Leitfigur der mobbenden Mitarbeiter zu werden und schlimmer mobbte als alle anderen.

Mobbing ein modernes Phänomen

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Was macht Mobbing zu einem modernen Phänomen? Auf welche Modelle kann rekurriert werden? Bei meinen Recherchen fand ich beeindruckende Parallelen zwischen ideologisch motivierten Denkstrukturen und Mobbingstrukturen.

Dabei bleibe ich in diesem Beitrag auf einer deskriptiven Ebene. Ursachenforschung wird  an dieser Stelle nicht thematisiert, da sie diesen Rahmen sprengen würde.

Es ist an der Zeit, sich die Begriffsdefinition von Mobbing näher anzuschauen. Die oben zitierte Studie definiert den Begriff folgendermaßen:

Mobbing ist „eine schwerwiegende Beziehungskrise zwischen Personen am Arbeitsplatz, bei der der Betroffene unterlegen ist und systematisch über einen längeren Zeitraum angegriffen wird. Ziel ist es, das Opfer zu demütigen oder aus dem Betrieb oder der Gruppe auszuschließen.“

Natürlich existiert Mobbing nicht nur am Arbeitsplatz. Es kann überall dort geschehen, wo sich Menschen zu Gruppen zusammen schließen – beim Sport, in der Schule, in Selbsthilfegruppen … Es ist ein Fehlschluss die Unterlegenheit des betroffenen Opfers von persönlichen Defiziten abzuleiten. Die Unterlegenheit beruht z.T. schlicht auf einer quantitativen Asymmetrie, nämlich darauf, dass sich eine Gruppe gegen einzelne verschwört, sich dabei durch asoziales, destruktives und unethisches Handeln hervortut und die sog. Opfer sozial isoliert. Und das systematisch. Werte wie Fairness, Aufrichtigkeit, Respekt etc. verlieren rapide an Bedeutung. Einige Experten nennen es schlicht „Psychoterror“. Aus eigener Anschauung und aus Berichten von CoachingklientInnen geht hervor, dass es sich bei Mobbingopfern eher um Ausnahmeerscheinungen, um (be)sondere Menschen handelt, die die Homogenität der Gruppe stören. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Abweichungen von der Gruppe nach oben, rechts oder links oder nach unten handelt. Menschen, die andere mobben, gehen nicht nach einem Wertekodex vor. – Hochbegabte Schüler beispielsweise haben oft ein Problem mit Mobbing.

In der modernen Zeit sind soziale Rollen, Denk-Figuren, die der Besonderheit einzelner einen akzeptierten Platz in der Gruppe einräumen oder zuweisen, rar geworden. Solche Rollenvorbilder sind z.B. der Exzentriker, der zerstreute Professor, das Enfant terrible.

Mobbing und ideologische Denkstrukturen

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Warum ist es  so schwierig für die Betroffenen dem Mobbing zu entrinnen?   Dazu hilft ein Blick auf Charakteristika von Ideologien und ideologisch motivierten Menschen. Seit Marx und Engels bezieht sich der Ideologiebegriff auf „Ideen und Weltbilder, die sich nicht an Evidenz und guten Argumenten orientieren, sondern die darauf abzielen, Machtverhältnisse zu stabilisieren oder zu ändern“ (zitiert nach Wikipedia). Im Folgenden beziehe ich mich hier auf Ausführungen von Hannah Arendt in ihrem Buch: Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft.

Ideologien enthalten immer schon quasi inhärent die „Logik“ ihrer Idee, die dann nur noch weiterentwickelt wird. Diese Inhärenz bewirkt, dass die Logik nicht überprüfbar ist, ist sie doch per Definitionem gegeben. Damit ist die Idee nicht falsifizierbar, nicht korrigierbar durch Einflüsse wie – sinnliche – Wahrnehmungen, Tatsachen oder sich daraus ergebenden Konsequenzen – anders ausgedrückt: der Realität. Nicht die wahrnehmbare Realität zählt, sondern die dahinter liegende, verborgene „eigentliche“ Realität. Daher ist diese Art von Realität, für die man sozusagen einen sechsten Sinn braucht, nicht falsifizierbar.

Dazu gibt Paul Watzlawick in seinem Buch Wie wirklich ist die Wirklichkeit? ein herausragend anschauliches Beispiel:

Am Mental Research Institute haben Forscher für ein Experiment den Psychiater Don D. Jackson und einen klinischen Psychologen zu einer Therapiesitzung zusammengeführt. Der Psychiater Jackson ist Gründer und Direktor des Instituts und angesehener Psychotherapeut auf dem Gebiet der Schizophrenie. Der Psychologe war ebenfalls Psychotherapeut mit dem Schwerpunkt Psychosen. – Beiden wurde mitgeteilt, dass es um ein Erstinterview mit einem paranoiden Patienten ginge. Dr. Jackson wurde die Hintergrundinformation gegeben, dass sein Interviewpartner unter der Wahnvorstellung litt, ein klinischer Psychologe zu sein. Dem klinischen Psychologen wurde mitgeteilt, dass sein Interviewpartner ein paranoider Patient sei, der glaubte Psychiater zu sein.

Beide Probanden eröffneten sofort eine Therapiesitzung mit dem vermeintlichen Patienten, um die Wahnvorstellung des jeweils anderen zu behandeln. Watzlawick weist darauf hin, dass sich beide entsprechend der Vorinformation „wirklichkeitsangepasst“ verhielten.  „bloß, dass eben dieses richtige und wirklichkeitsangespasste Verhalten in der Sicht des (jeweils) anderen ein Beweis von Geistesstörung war. Oder anders ausgedrückt: Je normaler sich beide verhielten, desto verrückter schienen sie in den Augen des Partners.“

Das ist ein wunderbares Beispiel für eine systemimmanente Logik, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Nicht nur, weil die Wirklichkeit nicht angemessen wahrgenommen und bewertet wird, sondern weil die beobachtete Wirklichkeit den Erfordernissen der Theorie und des Vorurteils angepasst und ihrer „Logik“ einverleibt wird.

Fakten versus konstruierte Wirklichkeiten

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Ein anderes, alltäglicheres Beispiel: Im Internet gibt es eine umfangreiche Homepage, die sich mit großem Eifer ausschließlich dem Thema Narzissmus widmet. Dort werden Narzissten als charismatische, eloquente und kreative Menschen beschrieben, die es verstehen, ihre Mitmenschen in Bann zu ziehen.

Und nun kommt die Idee: Alles fußt auf einer großen Lüge! Um in der Logik zu bleiben: Je erfolgreicher der Narzisst, um so größer seine psychische Störung. Dass die Lügen nicht entdeckt werden, spricht nicht etwa dafür, dass es sie nicht gibt, sondern für die Verderbtheit und für die ausgeprägte Fähigkeit zur Täuschung, hier auch brillierender Einfallsreichtum und List genannt.

In den oben beschriebenen Situationen befinden sich Mobbingopfer. Das von der Gruppe gesetzte Vorzeichen (Prämisse, Axiom, Narrativ) bestimmt die Wahrnehmung, die durch nichts zu entkräften ist. Somit hat das Opfer keine Chance, das Bild, das die Gruppe von ihm hat, revidieren zu lassen.

Ein weiteres Merkmal kommt hinzu. So groß die der Idee inhärenten Logik ist, so wenig folgerichtig ist die ableitende Beweisführung, die einer Pseudologik folgt. Alles Weitere wird von der Prämisse ausgehend deduziert, Folgerungen wechseln sich ab mit vermeintlichen Schlüssen. „Ideologisches Denken ist, hat es einmal seine Prämisse, seinen Ausgangspunkt, statuiert, prinzipiell von Erfahrungen unbeeinflussbar und von der Wirklichkeit unbelehrbar. Kritisch wird es besonders dort, wo aus der Ideologie die Handlungen abgeleitet und gerechtfertigt werden …..

Auf der Strecke bleibt der gesunde Menschenverstand, der sich an der Wirklichkeit auch dann orientiert, wenn er von ihr gelegentlich irre geführt wird.“ (Hannah Arendt)

GEFÜHLTE FAKTEN

Wenn sich Fakten und Wahrnehmungen von der Wirklichkeit emanzipieren

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Wenn Fakten, sinnlich Wahrnehmbares und Logik nicht mehr zählen, kann man auf dieser Ebene keine Überzeugungskraft mehr entwickeln. Das bedeutet nicht, dass man hilflos ist. Es bedeutet aber, dass man beginnen sollte, seine Alternativen realistisch einzuschätzen. Und wenn der Wunsch und die Hoffnung bestehen, dass ein Verbleiben in der Gruppe möglich ist, sollte man beginnen, strategisch zu denken und planvoll vorzugehen.

Entsprechende Strategien entwerfen wir gemeinsam im Coaching. Über Chancen und Risiken finden Sie unten mehr.

Bezeichnende Sprachfiguren:

Otto Walkes in seiner „Bundestagsrede“

Hören Sie mir auf mit Tatsachen! Das sind Fakten!

In der Heute-Show:

Das sind tatsächliche Fakten!

WI(E)DER DIE ANGST

Erkennen der Strukturen

Identifizierung der Handlungsoptionen

STRUKTURELLE FEHLENTWICKLUNGEN

Mobbing – Partizipation an der Macht

Wechselwirkungen

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Mobbing ist kein individuelles Problem der Adressaten resp. der Aggressoren. Mobbing ist ein Ausdruck struktureller Fehlentwicklungen und weist auf Probleme des Systems hin. Die Strukturen lassen Raum für persönliche Angriffe, für eine Verlagerung von sachlichen und inhaltlichen Diskussionen auf Befindlichkeiten und Diffamierungen. Mithin ist Mobbing auch nicht lediglich ein Problem der Psyche bestimmter Charaktere, die andere Menschen mobben, resp. die gemobbt werden. Es sind die Strukturen, die bestimmte Charakteren begünstigen, wenn nicht gar hervorbringen.

Mobbing ist ein Führungsproblem

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Mobbing ist auch Ausdruck eines Führungsproblems. Rechtzeitige und hinreichende Interventionen, resp. Sanktionen erfolgen nicht. Transparente und verlässliche Strukturen, neutrale Gremien mit klaren Zuständigkeiten, klare Arbeitsabläufe, personelle Rechte, Verantwortungen und Pflichten sind nicht eindeutig und zuverlässig geregelt. Gratifikationen für integrative und konstruktive Arbeit erfolgen nicht. Sanktionen bei sozialen mutwilligem Fehlverhalten werden nicht ausgeübt oder werden willkürlich genutzt.

Mobbing bedeutet Macht-Partizipation

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Mobbing, zum Beispiel durch Diffamierungen oder Demütigungen, bietet die Gelegenheit zur Partizipation an der Macht, ohne sie zunächst in Frage zu stellen, sie aber nach und nach unterhöhlend. Beispiel Mitarbeiterin K.: „Wir haben Herrn X abgesägt und machen das jetzt bei Frau Y!“ Mobbing bietet Menschen die Möglichkeit, fachliche und persönlich empfundene Ohnmacht und Unfähigkeit durch subversive negative Machtausübung zu kompensieren.

Erodierung des offiziellen Machtgefüges

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Mobbing führt langfristig zu einer Erosion der Führungsmacht. Erst läuft Mobbing über  inoffizielle Teilhabe an der Macht. Doch auch wenn die Mitarbeiter zunächst durch das Mobbingverhalten „nur“ an der Macht mit subversiver Gewalt partizipieren, so ist das Verhalten doch dazu geeignet, die Machtstellung der „Führung“ auf Dauer zu erschüttern. Die sich auflösenden Strukturen sorgen für enorme Unruhe. Chefs werden in dem chaotischen System erodierender formaler Strukturen und zunehmender informeller Machtausübung immer handlungsunfähiger und ihrer Macht,  sinnvoll zu sanktionieren beraubt. Damit einher geht ein weiterer Machtverlust und die Machtspirale dreht sich weiter. Geschaffen wird ein System voller Willkür, ideologischen Denkstrukturen, Bespitzelung und subversiver Gewaltausübung.

In dem Maße, in dem sich die Führungskräfte zwangsläufig immer mehr auf die inneren Strukturen und sozialen Abläufe konzentrieren müssen, sinkt die unternehmerische Handlungsfähigkeit. Das entstehende Machtvakuum wird durch die mobbenden MitarbeiterInnen besetzt. Schwachen Führungspersonen werden auf die hinteren Ränge verwiesen. Die Leitung wird informell – manchmal auch formell – durch die mobbenden MitarbeiterInnen übernommen und der Kreis schließt sich.

Mobbing findet man auf allen Hierarchieebenen formaler oder informeller Organisationen und kann sich gegen Chefs genauso wie gegen Untergebene oder gegen gleichgestellte Mitarbeiter oder Gruppenmitglieder richten.

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UND DAHER IST MOBBING NIE NUR DAS PROBLEM EINES EINZELNEN, SONDERN IMMER DAS PROBLEM DER GESAMTEN GRUPPE.

WI(E)DER DIE VERZWEIFLUNG

Aus der Defensive in die Offensive

Verantwortung übernehmen

EGOZENTRISCHE CHARAKTERE

DER FISCH STINKT VOM KOPF HER

Die Charakterstruktur mobbender Menschen zeigt ein klareres Muster auf als die Charakterstruktur derjenigen, die gemobbt werden.

Auch die systemischen Rahmenbedingungen folgen grundlegenden Mustern.

Das Zusammenspiel erzeugt eine brisante Mischung, in der es sehr viele Verlierer gibt und unzufriedene, misanthropische Gewinner.

Der einsame Mensch

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„Strukturen“, das klingt abstrakt. Wenn die Strukturen verantwortlich sind, wo bleibt dann die Verantwortung des Menschen? – Strukturen werden von Menschen geschaffen, Strukturen werden von Menschen mit Leben gefüllt. Nun sind Konflikte im (Berufs)leben von Menschen nichts Neues und doch haben diese Konflikte am Arbeitsplatz, in Schulen oder Vereinen eine neue Qualität gewonnen und ein erstaunliches Ausmaß. Warum konnte sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein gesonderter Begriff, „Mobbing“, für spezifische Konfliktmuster und das Misslingen konstruktiver und lösungsorientierter Konfliktaustragung etablieren? Es dreht sich um Konflikte, die zu Machtkämpfen gerinnen, mehr noch: Konflikte, die geschürt werden, um Machtkämpfe inszenieren und ausfechten zu können.

Den mobbenden Menschen scheint gemeinsam zu sein, dass sie der Welt angst- und hasserfüllt gegenüberstehen. Sie sind egozentrisch und haben die Bindung an Werte, seien sie religiöser, humanistischer oder philosophischer Art verloren. Sie sind vereinsamt, da sie nicht in einen Wertekanon eingebunden und damit auch keiner Wertegemeinschaft verbunden sind (1). Damit gibt es auch keine positive Autorität, die der Mensch anerkennen könnte. Statt dessen unterwirft er sich tyrannischen Autoritäten oder wird selber zu einem Tyrannen, nach dem Grundsatz verfahrend: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich (2).

Das macht dann die Welt zu einem sinnlosen Ort. Eine beliebige Welt, in der es keine Orientierung gib. Der moderne Mensch ist somit ein aus jeglicher Ordnung Herausgeworfener (Erich Fromm). Ambivalenzen und Pluralismus sind so nicht zu ertragen. Es bleiben Zweifel und (Selbst)hass. – Wer dieses Thema vertiefen möchte, dem sei das Buch von Erich Fromm „Furcht vor der Freiheit“ empfohlen. (Der englische Titel heißt „Escape from freedom“, was den Sachverhalt m.E. besser trifft.)


(1) Die fehlenden Werte erklären auch, warum man in Windeseile vom mobbenden Menschen zum gemobbten Menschen werden kann. Es ist die Beliebigkeit. Die mobbenden Menschen kennen auch untereinander keine gemeinsamen Werte wie Solidarität, Pluralismus, Freiheit des Denkens etc. Und so wird jeder, im Handumdrehen zum Feind erklärt, der der egozentrisch motivierten Strategie gerade nicht entspricht.

(2) Das kann auch erklären, warum die Anzahl der Mitläufer so groß ist. Die Angst, selbst zum Mobbingopfer zu werden, ist ein ständiger Begleiter. Das führt dazu, dass auch Mitarbeiter, die mit dem Mobbingopfer Mitleid empfinden, dennoch fleißig beim Mobbing mitmachen.

Erosion der Hierarchie und der Strukturen

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Angstbesetzte Führungskräfte treten einerseits autoritär auf, anderseits weichen sie aus Angst sämtliche Strukturen auf. Man sucht Verbündete, erteilt Gratifikationen für persönliche Gefallen und Loyalitäten, Exempel werden statuiert und durchexerziert bei vermeintlichem oder tatsächlichem Widerspruch.

 Der Fall L.                

Eine interessante und  prägende Erfahrung machte ein Coachingklient mit der Denunziation einer Mitarbeiterin, die gleich zwei grundlegende Schlussfolgerungen zuließ: 1. Eine einfache Anschuldigung eines Lehrlings gegen einen langjährigen bis dato bei Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen beliebten Angestellten reichte aus, um ihn fristlos zu kündigen.

Daraus lernten die Mitarbeiter,

1. dass auch ihr Arbeitsplatz unabhängig von dem bisher Geleisteten und der erworbenen Reputation jederzeit zur Disposition stehen kann.

2.  dass auch umgekehrt sie mit dem minimalen Aufwand einer Diffamierung jederzeit die Arbeitsplätze der anderen gefährden konnten.

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(Der Mitarbeiter zog vor Gericht und gewann. Der Lehrling hatte gelogen. – Der Mitarbeiter verzichtete gegen eine großzügige Abfindung auf seine alte Stelle.)

Ökonomische Rahmenbedingungen

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Begleitet wurde die Einführung der Willkür von ökonomisch positiven Parametern: Der Mangel an Facharbeitern lässt die Angst vor Arbeitsplatzverlust verschwinden. Man konnte und kann sich also ganz ungeniert verhalten, wie es einem die Egozentrik eingibt.

Charaktere

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Diese oben beschriebenen Erfahrungen und Rahmenbedingungen  wiederum befördern Charaktere, denen es an Selbstwertgefühl, Qualifikation, Sicherheit und Sinnhaftigkeit mangelt. Menschen, mit diesen objektiven oder subjektiv empfundenen Mängeln sehen eine Chance in der Aufweichung klarer Strukturen und Transparenz. Sie beginnen ihre Minderwertigkeitsgefühle durch negative Partizipation an der Macht erst zu kompensieren, dann proportional zu dem Erfolg zunehmend konkret zu realisieren. Ihre Erfolge in diesem Spiel führen zu einer Art Machtrausch, einer Art selbstsüchtiger Gier. Und daher endet dieses Spiel nicht mit der Machtübernahme. Konflikte werden weiter geschürt, Intrigen lebendig gehalten, Strukturen weiter aufgeweicht.

„Selbstsucht ist eine Art Gier. Wie jede Gier ist sie unersättlich und daher nie wirklich zu befriedigen.“ (Erich Fromm).

Ein krankmachendes System

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Diese frei fluktuierenden Systeme ohne verlässliche Rahmenbedingungen, Strukturen und Transparenz, dafür voller Willkür und Bedrohungen machen krank: In dem Beispiel des Coachingklienten: Der Chef nimmt Antidepressiva  und hat ein Alkoholproblem, die Mobbing-Anführerin leidet so stark unter Ängsten, dass Sie immer wieder stationär behandelt werden muss. Sie nimmt – wie ihr Chef und ein Teil ihrer MitarbeiterInnen auch  – Antidepressiva, Tranquilizer und Aufputschmittel.

Es kann jeden treffen

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Das Problem, auch für die Mobbenden selbst, ist, dass es weder von der Persönlichkeit noch der Funktion in der Gruppe abhängig ist, wer gemobbt wird. Das heißt, es kann jeden der Mobbenden selber erwischen.

Und das tut es auch. In dem Moment zum Beispiel, in dem sich beim Mit-Mobbenden das schlechte Gewissen regt und er dem Gemobbten gegenüber Empathie entwickelt und sich solidarisch zeigt . Wer sich gegen das System stellt, wird umgehend ebenfalls gemobbt. Das System lässt nur drei Möglichkeiten zu: Opfer, Täter, Mitläufer. Wer sich dagegen stellt, wird im Handumdrehen vom Täter zum Opfer gemacht.

STRATEGISCHE

GEGENWEHR

Freiheit und Handlungsspielraum zurück erobern

Gegenwehr mit Kenntnis des Systems birgt Chancen

KUMULATIVE TRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG

Im ICD-10 ist Mobbing natürlich nicht als Erkrankung repräsentiert. Gemobbt werden ist ja auch keine Krankheit. Die Folgen des Mobbings jedoch können für denjenigen, der gemobbt wird, extrem verstörend und traumatisierend erlebt werden. Im ICD-10 werden sie in F 43 codiert: “Reaktion auf eine schwere Belastung”:

  • Stadium 1: akute Belastungsreaktion (ICD 10 F 43.0).
  • Stadium 2: “kumulative” traumatische Belastungsstörung (ICD 10 F 43.9)
  • Stadium 3: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) (ICD 10 F 43.1)

PARADOXE INTERVENTION

Definitionshoheit gewinnen

Externe Verbündete

GESCHICKT STEUERN

AUS DEN DENKSTRUKTUREN AUSBRECHEN

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AUS DEM MOBBING-SYSTEM AUSBRECHEN

SPIELREGELN

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Grundsätzliches: Spielregeln werden vor Beginn des Spieles festgelegt. Sie können nur bei Zustimmung aller Teilnehmer geändert werden – es sei denn das Spiel/das System sieht bestimmte Prozeduren der Neuregelungen vor. Auf die hat man sich aber ebenfalls vorher geeinigt oder man hat bei Beginn diesen Regimen zugestimmt. Die sind dann aber auch verbindlich – und zwar für alle.

Beim Mobbing läuft das nicht so. Da bestimmt und ändert die mobbende Gruppe die Spielregeln willkürlich – inhaltlich, zeitlich und prozedural.

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Im Coaching etablieren wir eigene Spielregeln, Axiome und Werte – im Einklang mit den Fakten, den gesellschaftlichen Konventionen und den ursprünglichen Regeln der Gruppe / des Systems (die von den Mobbern verletzt werden) sowie in Übereinstimmung mit externen, überprüfbaren und konsensfähigen Spielregeln und Fakten.

FALL L.

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Fall L., der oben dargelegt wurde, ist ein gutes Beispiel für die Hinzuziehung externer – hier juristischer – Praxis, Expertise, Kriterien.

L. wurde von der mobbenden Gruppe ohne Anzeichen von Beweisen denunziert auf Grund einer – wie sich vor Gericht herausstellte – Lüge eines Lehrlings.

Die schwache Führung kündigte dem langjährigen Mitarbeiter auf Druck der Gruppe hin, ohne nach beweisbaren Tatsachen überhaupt zu forschen. Und ohne die langjährige positive Erfahrung mit dem Mitarbeiter zu berücksichtigen.

Innerhalb dieses Systems war eine gerechte Behandlung oder eine Rehabilitierung weder für den diffamierten Mitarbeiter noch für die bereits beschädigte Führung zu erreichen.

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Im Coaching prüfen wir, welche Externa hilfreich und sinnvoll sein können, um die Situation zu lösen.

KONEZPTUELLES

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Man kann sich auf andere Systeme berufen wie im vorher geschilderten Fall, ebenso wie auf externe Verbündete, aber auch auf allgemein akzeptierte Grundsätze, Erfahrungen, Werte. Im Coaching identifizieren wir diese Werte und führen offensiv sie in das „Spiel“ ein.

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In dem o.g. Beispiel sind diese allgemein akzeptierten Grundsätze beispielsweise, dass Behauptungen bewiesen werden müssen und dass jeder als unschuldig zu gelten habe, solange seine Schuld nicht bewiesen ist.

Werte wie Gerechtigkeit, Fairness und fair play sind bei vielen unbestritten. Denunziation und Diffamierungen hingegen sind keine gesellschaftlich akzeptierten Werte.

REFRAIMING

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Ein Kunstgriff bei der Auseinandersetzung mit Mobbing ist das Refraiming. Das simpelste Beispiel ist das Verlassen der Gruppe. Damit wird der gemeinsame Bezugsrahmen aufgelöst und durch einen neuen Rahmen in einer neuen Gruppe abgelöst. Das Refraiming im gegebenen Kontext und als Einzelkämpfer ist ungleich schwieriger, aber durchführbar.

Im Coaching definieren wir neue und eigene Rahmen, die Sicherheit und Handlungsfähigkeit ermöglichen.

ON HER WAY

TO BETTER THINGS

Innerer Frieden beginnt in dem Moment

in dem man entscheidet

Ereignissen oder anderen Menschen nicht zu erlauben

seine Emotionen zu kontrollieren