MEINUNGSKORRIDOR

In diesem Blog-Beitrag geht es darum, Wissen, Erfahrungen und Einschätzungen von Virologen, die in den Medien bisher wenig vertreten sind, vorzustellen. Es ist nicht beabsichtigt innerhalb dieses Beitrages eine Ausgewogenheit zwischen diesen Virologen und den Virologen rund um das Robert Koch Institut herzustellen. Es geht auch nicht  nicht darum, sämtliche Aussagen dieser Experten als ein weiteres Credo vorzustellen. Die Beiträge mögen zum selbstständigen Denken anregen, Aspekte beisteuern, Fragen aufwerfen, Hintergründe ausleuchten, Aktuelles in historische Zusammenhänge einordnen, vielfältige professionelle Expertise und Erfahrungen in die Diskussion einfließen lassen… Ein kleiner Beitrag dazu, den „Meinungskorridor“ (Bundespräsident Steinmeier) etwas zu verbreitern.

„Unter Diplomaten erzählt man sich die Geschichte vom Botschafter in einem schwierigen Land, der daheim seinem Minister Bericht erstatten soll. Der Minister fragt: Wenn Sie die Lage in Ihrem Land in einem Wort zusammenfassen sollten, welches wäre das? Der Botschafter überlegt und sagt: Gut. Das hatte der Minister nicht erwartet, er hakt nach. Und was, wenn Sie die Lage in zwei Worten zusammenfassen sollten? Der Botschafter sagt: Nicht gut.“ (Aus der Rede von Außenminister Steinmeier vom 14. 11.2014)


Transparency.de

Zitat

„Transparency Deutschland weist die pauschale Kritik des Vorstandsmitglieds Dr. Wolfgang Wodarg an den staatlichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor dem Corona-Virus zurück. Transparency Deutschland orientiert sich im Umgang mit dem Corona-Virus an den auf umfassender wissenschaftlicher Expertise beruhenden offiziellen Einschätzungen und Handlungsempfehlungen. Das Infragestellen dieser Maßnahmen führt zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung, die den realen Gefahren des Virus nicht gerecht wird. Wolfgang Wodarg äußert sich in dieser Sache als Privatperson und nicht in seiner Funktion als Vorstandsmitglied.“

17.03.2020


Was war passiert?

 

 

Dr. Wolfgang Wodarg hat sich kritisch in frontal 21 – ZDF und anderen Videos zu Corona und den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus geäußert. – Es folgten Häme und Kritik. Selten indes, indem man sich mit den Argumenten auseinandersetzte. Schon allein das Infrage stellen der Erklärungsmodelle und der Maßnahmen wird diffamiert, denn so viel Transparenz in der wissenschaftlichen Diskussion ist dann von Transparency Deutschland doch nicht erwünscht,

Nicht nur von Transparency, sondern beispielsweise auch von zwei Journalistinnen, Desiree Fehringer und Carla Reveland, die Wodarg in eine Reihe mit Verschwörungstheoretikern stellen. Ein eindrucksvolles Beispiel schlechter journalistischer Arbeit, wie sie zur Zeit fast omnipräsent ist (https://www.youtube.com/watch?v=3duErFbfFM0&t=943s).

Nicht anderes verhält es sich mit der Kritik von correctiv unter der Überschrift „Warum die Aussagen von Wolfgang Wodarg wenig mit Wissenschaft zu tun haben“. Nicht eines der Argumente von Wodarg wird entkräftet, sondern seinen Argumenten fast wahllos andere Aspekte gegenüber gestellt, die alle irgendwie etwas damit zu tun haben, ihn aber nicht widerlegen. Da es mir an dieser Stelle nicht vorrangig um Kritik geht, sondern darum, moderate und reflektierte Stimmen zu sammeln, lasse ich es bei dem Link auf den Beitrag bewenden. So kann sich jeder selbst ein Bild machen (https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2020/03/18/coronavirus-warum-die-aussagen-von-wolfgang-wodarg-wenig-mit-wissenschaft-zu-tun-haben).

Ich persönlich kann nur den Kopf schütteln über die Berichterstattung und die ewig gleichen Mainstream-Kommentare in deutschen Medien, besonders in ARD- und ZDF-Nachrichten. Es gibt Ausnahmen? Sicher. Aber viel zu wenige. – Zu denen Stimmen, die nicht einer „Hygienediktatur“ (s. Verfassungsblog.de) das Wort reden, gehört die von Herbert Prantl ( (Süddeutsche Zeitung), die Sie demnächst in einem weiteren Blog-Beitrag finden werden.

 

Der Konformitätsdruck IN den Köpfen der Journalisten

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In der oben erwähnten Rede sagt Frank Steinmeier:

„Wir brauchen sie, die kritischen, fundierten, relevanten Berichte. Nur mit Texten und Recherchen, die durchdringen und nachwirken, kann die Presse ihrer Wächterrolle gerecht werden….

Wichtiger ist vielleicht noch, sich auf das Fundament Ihres Erfolgs zu besinnen: Qualität, Relevanz und Vielfalt. Setzen Sie die richtigen Prioritäten. Das heißt: Journalismus zuerst!

Vielfalt ist einer der Schlüssel für die Akzeptanz von Medien. Die Leser müssen das Gefühl haben, dass sie nicht einer einzelnen Meinung ausgesetzt sind. Reicht die Vielfalt in Deutschland aus? Wenn ich morgens manchmal durch den Pressespiegel meines Hauses blättere, habe ich das Gefühl: Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch….

Das Meinungsspektrum draußen im Lande ist oft erheblich breiter….

Als Leser und als Politiker wünsche ich mir klare Worte meiner Zeitung. Ihr Urteil sollte aber auch fundiert sein, und es sollte am besten noch ein erkennbar eigenes Urteil – und unterschieden von der Nachricht – sein. Ich will nicht den Eindruck haben, dass alle das Gleiche schreiben, das macht misstrauisch…

Ich glaube fest, dass mündige Bürger sich für differenzierte Berichterstattung interessieren und auch bezahlen.“

https://www.auswaertiges-amt.de/de/newsroom/141115-rede-bm-anlaesslich-verleihung-lead-awards/266898

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Zustimmung

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Öffentliche Zustimmung erfährt Wodarg nun von zunehmend mehr Virologen. In der Monitor-Sendung vom 02.04.2020 sagt Prof. Dr. Gérard Krause, Leiter der Epidemiologie am Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung  in Braunschweig, über Wodarg:

„Ein Großteil seiner Aussagen sind fachlich unstrittig. Ganz problematisch ist seine Schlussfolgerung, dass es sich hier nicht um ein Problem handelt, sondern dass es nur ein Wahrnehmungsproblem ist. Und das ist definitiv nicht der Fall.“

Wolfgang Wodarg könnte sich sicherlich vorsichtiger und gewählter ausdrücken, um Missverständnissen vorzubeugen. Er sagt allerdings nicht, dass es sich bei dem Coronavirus nicht um ein Problem handelt. Er wird nur nicht müde zu betonen, dass das Coronavirus nicht gefährlicher ist als andere Grippeviren.

Sympathisch ist, dass Krause zwischen fachlich richtigen Aussagen und Schlussfolgerungen unterscheidet. Eine gedankliche Unterscheidung, die man sich in der heutigen Zeit öfter wünschte.

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Weitere interessante und kritische Stimmen

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PROF. HENDRIK STREECK – Virologe und Direktor des Instituts für Virulogie der Universität Bonn

Unsere Grenze ist die Kapazitätsgrenze der Krankenhäuser. Es ist nicht die Anzahl der Infizierten.

01.04.2020

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PROF. DR. CARSTEN SCHELLER – Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

Das bisher schlimmste Influenzajahr in der jüngeren Geschichte in Deutschland war der Winter 2018. Da ist es so gewesen, dass innerhalb eines Zeitraumes von 8 Wochen ungefähr 25.000 Menschen in Deutschland gestorben sind. Und wenn man sich das jetzt mal so vorstellt mit einer medialen Begleitung, wie sie heute beim Coronavirus üblich ist …

29.03.2020

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PROF. DR. CARSTEN SCHELLER – Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

Kriegen wir italienische Verhältnisse oder spanische? Davon gehe ich nicht aus, weil unsere Krankenhäuser sehr viel besser sind. .. Mehr Intensivbetten … ganz andere Krankenhaushygiene. Diese sogenannten nosokomialen, also in Krankenhaus übertragenen Infektionen, sind bei uns sehr viel seltener als in Italien und Spanien. Bei uns klappt das Hygienemanagement sehr viel besser in den Krankenhäusern.

Die Todesraten sind völlig vergleichbar mit denen von Grippe

26.03.2020


PROF. DR. STEFAN HOCKERTZ – Immunologe und Toxikologie

 

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